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Baby – Und, wie klappt es mit dem Stillen?

Eine Frage die man kurz nach der Geburt eines Kindes häufig gestellt bekommt.

Eine Frage, die man gewiss auch selbst schon häufig frischen Mamis gestellt hat, ohne groß darüber nachzudenken, was sie eventuell bei der betroffenen Person auslösen könnten. Eigentlich ein so sensibles und eigentlich doch auch so privates Thema, welches in unserer Gesellschaft ohne Scham erfragt wird.

Ich war mir immer ungewiss, ob es mit dem Stillen bei mir funktionieren wird. 2010 hatte ich eine Brust OP. Da mein Busen fehlgeformt war, erhielt ich spezielle Silikonkissen auf beiden Seiten. Mir wurde gesagt, dass die Operation Milchdrüsenerhaltend verlaufen ist, aber ich wusste nie, ob ich dem vertrauen kann, oder nicht.

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Nun war ich endlich schwanger. Als Schwangere beliest man sich gerne und grade in der heutigen Zeit wird es einem dank Internet und all der Apps fürs Handy ja leicht gemacht. Häufig las ich, dass es ab einem gewissen Zeitpunkt so sein kann, dass bereits Milch austritt. Kann muss aber nicht.

Nun während meiner gesamten Schwangerschaft kam nicht ein Tropfen aus der Brust.

Dann als Mira endlich geboren war, legte ich sie häufig an, um den Milchfluss anzuregen. Ich war absolut unsicher, ob mein Baby beim Anlegen überhaupt Milch erhält.

Das Anlegen schmerzte aber ich hatte gehört, dass es zu Anfang immer etwas schmerzhaft ist, da die Brustwarzen den Sog ja nicht gewohnt sind und die Milch ja zu Anfang auch nicht in rauen Mengen vorhanden ist.

 Da ich so häufig anlegte und wahrscheinlich nicht in der richtigen Position anlegte, dauerte es nicht mal einen Tag und meine Brustwarzen wurden wund.

Zum weiteren Anlegen bekam ich Stillhütchen. Dank der Stillhütchen sah ich endlich auch ein paar Tropfen Milch, die nach dem Anlegen noch dort drinnen vorhanden waren. Die Milch ist also da. Schmerzen besaß ich immer noch, aber nun waren ja die Brustwarzen auch sehr gereizt und da dachte ich, ist Schmerz ja auch kein Wunder.

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Ich erhielt in der Klinik noch spezielle Salben und Brustwarzenwundauflagen, damit diese schnell heilen. Trotzdem legte ich Mira tapfer weiter an, denn irgendwann muss es ja vernünftig klappen und besser werden. Dann kam die zweite Nacht als Mama und unser kleiner Schatz schrie andauernd, kaum fertig angelegt und wieder hingelegt, ging es von vorne los. Gefühlt wurde unser Schatz einfach nicht richtig satt. Ein Gefühl, dass eine frische Mama gerade unter den aufkommenden Hormonen absolut nicht kalt lässt und stark an einem knabbert.

Am folgenden Tag haben wir es dann mit der Pumpe getestet. 20 Minuten saß ich an der Maschine, mit dem Erfolg weniger Tropfen Milch. Es war auch der Tag, an dem wir nach Hause gingen. Zu Hause fühlte ich mich schon wohler, ich bekam einen besseren Rhythmus in unseren Tag als Mama und Baby und vor allen Dingen gab es zur Beratung nur noch meine Hebamme. Im Krankenhaus waren wirklich alle sehr lieb und auch hilfsbereit, aber es waren einfach zu viele verschiedene Meinungen, wie was getan werden soll.

Wir beschlossen, dass ich nun vorerst nur kurzzeitig anlegte, um zum einen den Milchfluss weiter anzuregen und meine Brustwarzen zu schonen. Dazu bekam die kleine Maus dann Prenahrung, damit ich einfach die Sicherheit hatte, dass sie satt wurde. Es war natürlich immer noch schmerzhaft, aber schließlich waren die Brustwarzen weiter wund, dachte ich.

Meine Brustwarzen wurden teilweise wieder heil und so gingen wir dazu über die geheilte Brust nun wieder länger zum Stillen zu nutzen. Nach und nach kamen dann beide Brüste wieder mehr und mehr zum Einsatz und so kamen auch mehr und mehr die Schmerzen zurück. Zwar stillte ich Mira nun kurze Zeit nur über die Brust und dass sie mehrere Stunden danach schlief zeigte mir, dass sie zu diesem Zeitpunkt auch satt wurde, was mich sehr stolz machte. Aber die Schmerzen wurden trotz geheilter Brustwarzen immer schlimmer. Innerlich fürchtete ich mich bereits vor dem nächsten Anlegen und natürlich verkrampfte ich sobald Mira anfing zu saugen. Der Schmerz blieb leider auch nicht nur beim ersten ansaugen, sondern die gesamte Zeit, die Mira an der Brust war.

Trotzdem wollte ich es. Ich wollte Mira mit eigener Kraft stillen, sie sättigen und mit all dem, was sie benötigt, um ein großes und starkes Baby zu werden, versorgen. Ich hatte förmlich Blut geleckt, denn immer wenn Mira nun milchtrunken und überaus befriedigt von meiner Brust im Halbschlaf abfiel, hatte sie einen Gesichtsausdruck, der einfach kaum zu beschreiben ist, der aber das Mutterherz so hoch schlagen lässt, dass es kaum zu beschreiben ist. Ein Blick, den es nicht gibt, wenn sie an der Flasche war. Ein Blick, so zufrieden und so voller Liebe. Ich hätte alles dafür getan!

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Doch mit den Schmerzen konnte ich nicht um, sie waren so stark, dass ich während des Stillens anfing zu weinen, denn es zog so sehr in der Tiefe.

Das Problem ist, dass das Baby durch das Stillen nicht nur Milch erhält, sondern auch andere Botenstoffe und Hormone. Ist die Mama während des Stillens unentspannt, so übermittelt die dies auch ans Baby. Anstatt ganz viel Liebe erhält das Baby so ebenfalls Stress. Eine Gewissheit, die einer Mutter, die wirklich Stillen möchte sehr sehr weh tut. Schließlich soll sich dieses kleine Wesen, das schon genug damit zu tun hat, sich in dieser großen neuen Welt mit all den neuen Gerüchen und Geräuschen einzufinden, vor allen Dingen geliebt vorkommen! Als Mama fühlt man sich nun stark zwiegespalten. Einerseits will man doch das allerbeste fürs Baby und das ist und bleibt einfach die Muttermilch. Andererseits will man eben das Beste für das Baby und das ist in diesem Fall leider nicht das Stillen.

Mit meiner Hebamme entschied ich nun für einen Tag mit der Pumpe zu arbeiten um gegebenenfalls Muttermilch per Flasche füttern zu können. Da die Pumpe nicht ganz so intensiv saugt wie ein Baby und zudem in der Stärke einstellbar ist, ist sie auch nicht so schmerzhaft.

Innerhalb von 24 Stunden förderte meine Brust an der Pumpe gerade mal 30ml Milch ab, dass ich natürlich mit Prenahrung füttern musste, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Die Geburt lag mittlerweile über eine Woche zurück, die Milch eigentlich längst eingeschossen und trotzdem nur 30ml über einen gesamten Tag? Oh man. Dabei bin ich doch vor einigen Tagen so stolz gewesen, dass Mira über meine Brust allein satt wurde. Aber natürlich war sie da einige Tage jünger und sie brauchte weniger.

Ich war völlig fertig mit den Nerven, wollte es aber noch immer nicht ganz aufgeben. Ich startete einen letzten Versuch und bestellte meine Arbeitskollegin, die auch professionelle Stillberaterin ist zu mir. Ich hatte einfach die große Hoffnung entweder immer noch einen großen Anlegefehler zu begehen oder einfach einen anderen ganz tollen Tipp zu erhalten.

Aber leider war dies nicht der Fall. Die Vorahnung der vergangenen Tage wurde nun bittere Gewissheit. Das Thema Stillen hatte sich für mich und Mira erledigt.

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Natürlich hat das Geben der Flasche auch seine Vorteile, die man sich in so einer Situation ganz klar vor Augen führen muss. Außerdem ist heutzutage die künstlich hergestellte Milch schon so nah an der Muttermilch dran und nicht ganz so schlecht wie ihr Ruf. Dank Flasche kann auch der Papa mal das Stillen übernehmen, entweder, weil die Mama ausnahmsweise Mal etwas vor hat oder weil er so gerne diesen besonderen Moment mit seiner Tochter teilen möchte. Und natürlich und ganz klar: Es ist nicht schlimm die Flasche zu geben, mein Baby wird trotzdem prächtig wachsen und ein großes starkes Mädchen werden.

Aber dank all der Hormone, die einer frischen Mama so zu teil werden ist dies ganz und gar nicht so einfach zu akzeptieren und lies mich ziemlich häufig in Tränen ausbrechen und noch jetzt, beim Schreiben dieser Zeilen merke ich, dass mich das Thema immer noch nicht kalt lässt.

Ich habe immer damit gerechnet, dass es mit dem Stillen nicht klappen könnte auf Grund meiner OP. Habe aber immer gedacht es liegt daran, dass einfach keine Milch käme. Dass es nun an  einer Mischung aus sehr wenig Milch aber vor allen Dingen starken Schmerzen liegt, hatte ich nicht erwartet und irgendwie fiel es mir so mit all dem auf und ab noch viel schwerer das zu akzeptieren.

Zu dem ist dann ja auch immer die Gesellschaft in der man sich direkt schlechter vorkommt, wenn man eben nicht stillt, sondern die Flasche gibt. Und die Gesellschaft in der dir jeder, ganz gleich wie nah er dir steht oder nicht, die Frage steht, wie es denn mit dem Stillen klappt. Ein so sensibles und privates Thema gerade raus gestellt.

Meiner Meinung und Erfahrung nach, sollte dies ein Thema sein, welches anders behandelt werden muss, sensibler. Ich, in meiner Situation, in der das Problem des nicht Stillens noch so frisch war, wollte nicht jetzt und vor allen nicht mit jedem darüber reden, denn  es tat einfach noch zu weh und dank der Hormone fühlte es sich noch so sehr nach Versagen an und lies einem immer so schnell die Tränen in die Augen steigen.

Vielleicht erreiche ich ja ein paar Menschen mit meiner Erfahrung und rege zum Nachdenken an und vielleicht wird die nächste frisch entbundene Mama nicht mit der Frage „Und wie läuft’s mit dem Stillen“ bombadiert.